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Nordseeurlaub, für Anfänger…

Gastbeitrag: Jessica aus dem Allgäu erzählt von ihrem ersten Nordseeurlaub im September 2013, von Beagle Lou, dem Windsurf World Cup auf Sylt und einer Woche ohne einen einzigen Regentag.

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Jessica17. August 202611 Min. Lesezeit
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Nordseeurlaub, für Anfänger…

Hallo, mein Name ist Jessica, gebürtig komme ich aus dem Ruhrgebiet, genauso wie mein Mann Patrick.

Als wir 2003 ins Allgäu gezogen sind, hatten wir recht viel zu planen, wenn es mal hieß, dass wir alle in NRW besuchen würden.

So ging es einige Jahre, bis wir merkten, dass wir noch mehr sehen möchten und vor allem mehr erleben wollten. Denn schließlich ist ein Urlaub daheim mit streng durchgetakteten Terminen kein Urlaub mehr.

Jetzt die Überlegung: „Wo fahren oder fliegen wir hin?“, damals noch 32 Jahre jung.

Doch ich hatte eine Idee: „Was wäre mit der Nordsee?“ Es sollte im September 2013 das erste Mal sein. Praktisch, da wir unsere Liebsten in NRW kurz besuchen könnten und dann weiter auf der A1 Richtung Norden fahren konnten.

Somit hätten wir nur 6 Stunden Fahrt vor uns statt der gesamten 11 Stunden.

Überlegt und für gut befunden. Jetzt nur noch Google nach Unterkünften gefragt, und dort erschien uns eine Seite mit Traumhäusern (Ferien an der Nordsee). Denn wir, damals noch mit Hund (Beagle) namens Lou unterwegs, wollten ein eingezäuntes Grundstück, damit der Hund sich frei bewegen konnte.

Und am besten mit Sauna, denn man hört ja immer, dass es sooooo schlecht ist, das Wetter oben im „echten“ Norden.

Was ist eigentlich der echte Norden? Und wo fängt dieser an?

Im Grunde genommen ganz einfach: Das Bundesland Schleswig-Holstein (für uns ein sehr schönes Bundesland) wurde 2013 von der Landesregierung so benannt, und wenn man einmal da war, weiß man, warum es der „echte“ Norden sein soll.

Also, natürlich ist SH (Schleswig-Holstein) das nördlichst gelegene Bundesland von Deutschland. Es hat insgesamt 63 Städte, und nicht ohne Grund redet man von „zwischen den Meeren“, denn westlich von SH liegt die Nordsee und im östlichen Teil die Ostsee.

Ich schweife ab, doch dieses Bundesland hat so viele Informationen über sich preiszugeben, da kommt man schon ein bisschen ab.

September 2013 näherte sich, und wir waren gespannt, was uns der Norden zu „bieten“ hatte.

Denn wir wurden „gewarnt“: Viele Leute waren auch schon im Norden von Deutschland, und das Wetter war IMMER schlecht, laut deren Aussagen.

Uns wurde ein bisschen mulmig zumute, denn wir hatten 1 Woche im hohen Norden gebucht und wollten auf gar keinen Fall NUR Regen.

Doch wir haben gesagt: Selbst wenn es so ist, haben wir eine Sauna, und trösteten uns darüber hinweg. Schließlich gibt es ja auch kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung ;-).

Also ging es erst vom Süden nach NRW, dann einen Tag später hoch in den „echten Norden“.

Um 5 Uhr fuhren wir los, doch dass zur selben Zeit der Surf World Cup auf Sylt stattfinden sollte, wussten wir bis dato noch nicht.

Wir wunderten uns über sehr viele Autos mit Surfbrettern drauf Richtung Hamburger Elbtunnel. Ich googelte, und dann kam es: Der Cup war zur gleichen Zeit wie wir, die wir das erste Mal dort oben waren. Ich schaute meinen Mann (damals noch Freund) an und sagte: Das müssen wir uns anschauen.

Mein Freund war einverstanden und freute sich auch schon, schließlich konnten wir uns nur vage an die Serie „Gegen den Wind“ erinnern.

Windsurfer mit bunten Segeln auf der Nordsee vor Westerland
Foto entstand 2013 auf Sylt beim Surf World Cup

Leider dauerte unsere erste Fahrt sehr lange, doch das wurde nach Ankunft doppelt belohnt, wie die Aussicht nach einer langen Wanderung auf einen Berg.

Wiebke Volquardsen war da und begrüßte uns sehr freundlich, sie zeigte uns unsere Unterkunft für die nächsten Tage. Und was soll man sagen: Wir waren sprachlos, glücklich und geschafft auf einmal.

Schöne kleine Häuser mit einem eingezäunten Grundstück; dieses Haus war sehr charmant und detailverliebt eingerichtet, natürlich auch mit einem gewissen nordischen Charme.

Das Bad war riesig, mit 2 Waschbecken, Badewanne, Toilette, Dusche und SAUNA. Wow, was möchte man mehr.

Übrigens möchte ich erwähnen, dass der Tag der Ankunft sonnig war und fast keinen Wind mit sich brachte, im SEPTEMBER.

Sie führte uns im Haus herum: 2 Schlafzimmer, ein Gästebad mit zusätzlicher Toilette und Waschbecken, im Flur zum Wohnzimmer stand ein Schwedenofen, für kalte Tage und der Gemütlichkeit wegen. Die Küche ist offen gestaltet, mit viel Platz.

Alles, was man braucht. Damals war Dagebüll noch ein kleines Dorf, weniger touristisch angehaucht, eher für die Durchfahrt; daher kannten es viele wegen des Namens: das Tor zu den Inseln.

Ferienhäuser mit eingezäunten Gärten und Hecken in Dagebüll
Foto entstand im Mai 2022

Der nächste Tag nach Ankunft bestand daraus zu erforschen, wo wir denn hinwollten. Definitiv Ziel Nummer 1: der Surf World Cup in Westerland auf Sylt.

Okay, wie kommt man da jetzt hin? Das war eine Frage, die wir uns stellten: per Fähre oder Autozug? Was gab es denn da so?

Wir waren ja auch noch nie da oben :-), wir waren also typische Touristen, mit den üblichen Fragen.

Und JEDERZEIT wurden unsere Fragen beantwortet. Also, jetzt wussten wir:

  • Mit dem Auto nach Niebüll zum Bahnhof, dort das Auto parken

  • Dann mit dem Zug nach Sylt

Das war die einfachste und günstigste Variante. Dort gibt es auch das Schleswig-Holstein-Ticket für 5 Personen (ja, auch ein Hund zählt dort als Person), es ist günstiger, als wenn man alles einzeln kauft.

Wichtig für Menschen mit Hund: bitte Maulkorb mitnehmen und dies vorher trainieren. Damit alle Spaß am Ausflug haben.

Nach dem ganzen Hin-und-her-Planen wollten wir auf jeden Fall das schöne kleine Dorf Dagebüll samt dem Deich kennenlernen.

Und was will man sagen: einfach herrlich. Auch wenn gerade Ebbe war, das tat der Stimmung keinen Abbruch, diese unendliche Weite, der Wind war kaum spürbar, es herrschte eher eine Flaute.

Und das Glitzern der Nordsee in weiter Ferne, ja, auch am 1. Tag war super Wetter. Eher schon ein bisschen enttäuschend, wegen des nicht vorhandenen Windes.

Man hat uns doch so gewarnt, und doch war alles so weit und friedlich, fast so, als wenn man im Hier und Jetzt bleiben wollen würde.

Ebbe vor Dagebüll mit freiliegendem Watt und einer Buhne in der Abendsonne
Foto entstand in Dagebüll im September 2013

Der erste Tag verging wie im Flug. Unser Hund schien auch diese Zeit zu genießen, irgendwie hatte man das Gefühl, dass auch er diese Freiheit dort oben spürte.

Ich möchte hier an der Stelle kurz erwähnen, dass Dagebüll einen Hunde- und FKK-Strand besitzt.

Im September war logischerweise keiner mehr zum Baden da. Umso mehr konnte man die Stille genießen.

Und wie man sieht, hat dies auch unser Hund getan, er hat jeden Urlaub im Norden geliebt.

Beagle Lou rennt über den grünen Deich in Dagebüll
Foto von Dagebüll im September 2013

Am nächsten Tag ging es also am Vormittag los Richtung Sylt. Die Sonne schien, und als wenn es jetzt mit Absicht wäre: wieder kaum Wind. Egal, wir fuhren, wir wollten das Ereignis miterleben.

Nach der Überfahrt über den Hindenburgdamm mit 11,3 km Länge erreichten wir die Endstation von Sylt.

Der Hindenburgdamm wurde am 1. Juni 1927 nach 4 Jahren Bauzeit eröffnet und verbindet heute Sylt mit dem Festland. Er ist nur dem Schienenverkehr vorbehalten.

Also, 2027 gibt es ein Jubiläum, und der Damm wird 100 Jahre alt; dort soll er auch umbenannt werden ;-). Aber das behalte ich mir noch vor zu erwähnen. Denn dieser Damm stand vom Namen her in der Kritik.

So, gut mit Infos versorgt, kamen wir also in der Stadt an (ja, Stadt). Nach dem Bahnhof eröffnete sich eine lange Fußgängerzone mit Geschäften und Restaurants. Wir gingen erstmal den Menschen hinterher, bis uns nach einer Zeit der Strandabschnitt von Westerland erschien; nach einer kleinen Kurtaxe kam man an diesen langen Strand.

Er füllte sich langsam mit Menschen, die bereit waren, wie wir das Spektakel anzusehen.

Doch der Wind fehlte einfach, und trotzdem war es sehr schön für uns, wir genossen die Zeit auf Sylt am 2. Tag.

Wir lernten ein Pärchen kennen, das neben uns saß; sie waren ca. Mitte 50 und sagten, dass sie jedes Jahr da seien.

Wir fragten nach dem Wetter und sagten, dass 2013 bestimmt eine große Ausnahme vom Wetter war: kein Wind, sehr schönes Wetter.

Dies verneinten sie und sagten, dass sie selten wirklich schlechte Tage hatten.

Sie kamen schon eine Weile immer zur Nordsee: Ja, es ist öfter sehr windig, doch stark ausgeprägte Regentage über Tage und Wochen kennen sie nicht.

Ich war erstaunt über diese Äußerung, hatten doch mehrere Leute gesagt, dass es IMMER schlecht ist.

Und ich möchte noch eins dazu schreiben: Ja, auch in NRW und in den Alpen haben wir Regentage, also was solls. Mittlerweile denke ich, dass Leute es schon nicht gut finden, wenn Wolken vorbeiziehen oder es einen Regenguss gibt.

Also, wir lieben den Norden so, wie er ist: mal ruhig und sanft und dann doch aufbrausend und ungestüm.

Aufblasbarer Willkommensbogen des GP Joule Windsurf World Cup Sylt 2013

Wir hatten im Urlaub geplant: Auf einen Unternehmungstag folgt ein Ruhetag, damit unser Hund weiter gern mit uns reist und es nicht als Stress empfindet. Also hatten wir natürlich auch genug Zeit im Gepäck, dieses idyllische Dagebüll näher kennen und lieben zu lernen.

Der Deich spielt eine große Rolle in Dagebüll, dieser schützt die Küste und die Menschen.

Nicht nur in Dagebüll, auch an der ganzen Nordseeküste, schließlich ist diese Küste 466 km lang. Die Dagebüller sind sehr fleißig, was ihren Deich betrifft: Er ging 2016 in die Bauphase, und trotz erschwerter Bedingungen haben sich die Dagebüller nicht unterkriegen lassen und das Projekt 2019 abgeschlossen.

Der Klimawandel ist dort besonders spürbar: Der alte Deich aus den 1960er-Jahren wurde durch einen neuen Deich ersetzt, der 30 cm höher wurde. Die Wege wurden breiter, und barrierefreie Übergänge wurden geschaffen.

Weg auf dem verstärkten Deich in Dagebüll mit Badebuden und Strandkörben
Deich in Dagebüll, Foto von Juni 2026

Wir wollten nach dem Ruhetag und den tollen Eindrücken weiter das Auto stehen lassen und auf eine Insel. Da wir ja direkt vor Ort waren, also bei dem Tor zu den Inseln, gab es 2 Möglichkeiten: einmal Amrum oder Föhr.

Da wir noch nicht wussten, wie es dem Hund auf einer Fähre geht, wählten wir die Insel Föhr mit ca. 50 Min. Fahrtzeit.

Fähre der Wyker Dampfschiffs-Reederei auf dem Wasser unter goldenem Abendhimmel
Foto: Fähre der W.D.R. im November 2025

Unser Hund ist auf der Fähre beim Brummen des Motors eingeschlafen. Auch gut, was will man mehr, so entspannt war er wirklich selten, Beagle halt :-).

Auf den Fähren benötigt der Hund keinen Maulkorb, und er fährt kostenlos mit; es versteht sich von selbst, dass der Hund an die Leine gehört.

Nach rund 50 Min. Überfahrt hieß es dann: Ankunft in Wyk auf Föhr. Viele strömten von der Fähre, um Föhr zu erkunden, und was soll ich schreiben: Wir waren geflasht. Ganz anders als Sylt, weniger kommerziell, eher eine schöne Promenade mit Geschäften und das Gefühl von „Hier bin ich richtig“ und „Hier darf ich verweilen und Ruhe genießen“. Ich muss dazu sagen, dass es meine Empfindung ist und jede Insel etwas Besonderes ist, doch diese Insel hatte es mir angetan.

Von der Promenade geht es weiter Richtung Strand; am Hafen beginnt auch schon der Hundestrand, der nicht allzu lang ist, jedoch zum Austoben reicht es.

Vom Hafen aus kann man Richtung Nieblum gehen, zwischendurch kommen immer wieder Strandbars, die zum Verweilen einladen.

Bitte achtet darauf, dass es Strandabschnitte für Hunde gibt; sie sind super ausgeschildert.

Föhr hat auch ein Friesenmuseum, das auf jeden Fall einen Besuch wert ist. Es gibt dort auch Mühlen, die sehr schön aussehen; unbedingt mal eine Inselrundfahrt buchen. Außerdem besticht das schöne Dorf Nieblum auf Föhr durch seine Friesen-Architektur, sehr gepflegte Häuser und Gärten prägen das Bild.

Wer schon immer mal Reetdächer sehen wollte, ist hier genau richtig. Außerdem ist Föhr zu jeder Jahreszeit sehenswert. Das Licht ist perfekt zum Fotografieren, gerade im Herbst.

Hölzerner Badesteg führt am Strand von Föhr ins Meer, darüber ein weiter Wolkenhimmel
Foto auf Föhr, November 2025
Alter hölzerner Anleger auf Föhr im goldenen Abendlicht
Foto auf Föhr, November 2025

Nach der Insel Föhr hatten wir uns wieder einen Ruhetag verdient. Dabei sind wir in Dagebüll etwas weiter auf dem Deich gelaufen, Richtung Dagebüll Kirche, ein kleines idyllisches Dorf mit einer Kirche und einem schön gelegenen Friedhof.

Zurück ging es an den weiten Feldern entlang, Richtung Muschelfabrik (die gibt es heute nicht mehr).

Natürlich prägen die Deiche mit ihren Schafen Dagebüll und Umgebung.

Wie gesagt, es ist alles friedlich und weit, ein Ort zum Durchatmen mit definitivem Erholungsfaktor.

Drei Schafe grasen auf dem Deich vor blauem Himmel
Tiefstehende Novembersonne hinter den Holzhäusern am Möwennest in Dagebüll
Foto in Dagebüll am Möwennest im November 2025

Der letzte Ausflug ging wieder mit dem Auto, und zwar sollte es St. Peter-Ording (SPO) werden.

Denn schließlich hatte ich ja am Anfang schon die Serie „Gegen den Wind“ erwähnt, und nun wollten wir doch mal schauen, ob dieser Strand das verspricht, was wir im TV gesehen haben.

Und ob diese Dünen wirklich so sind: Tja, SPO ist next Level für Strandliebhaber, kilometerweite und -breite Sandstrände, und auch die ganzen Wassersportler kommen auf ihre Kosten.

Diese Pfahlbauten muss man gesehen haben. Für uns war es wirklich einmalig, und unser Hund ist sehr weit gerannt (natürlich an einer langen Leine).

Und wer mag es sich ausdenken: Zum ersten Mal pfiff der Wind um die Ohren, also hatten sich Schal und Mütze doch noch bezahlt gemacht.

Es war ein Traum. Definitiv gehört SPO zum ersten Mal dazu ;-)

Bohlenweg durch die Dünen zum Strand von St. Peter-Ording
Foto St. Peter-Ording, September 2013
Pfahlbau am Strand von St. Peter-Ording als Silhouette vor tiefstehender Sonne
Foto St. Peter-Ording mit Pfahlbau, November 2025
Weiter Sandstrand von St. Peter-Ording mit Strandkörben in der Ferne
Foto Strand St. Peter-Ording im Juni 2026

Der letzte Tag war in Dagebüll. Dort ging es jetzt leider daran, die Koffer zu packen und das Auto zu beladen, denn schließlich ist jeder Urlaub einmal zu Ende.

Wir wussten, dass wir nicht das letzte Mal da sein werden. Und wer es glauben kann oder nicht: Wir hatten in unserem ersten Urlaub 2013 KEINEN einzigen Regentag, die Sonne schien wirklich immer; den einzigen richtigen Wind, den wir hatten, gab es in SPO.

Und was ganz wichtig war, was ich noch nicht erwähnt habe: Mein Magen hat in diesem Urlaub so viel Fisch gegessen (und sehr viele Krabben). Unser Hund fand dies auch gut, er hat Fisch und Krabben geliebt.

Alle traten den Rückweg mit großem Fernweh an, ohne zu wissen, was der Norden uns einmal bedeuten würde und was wir dort alles noch erleben durften, bis zum heutigen Tage und hoffentlich noch viele weitere …

Beagle läuft über den Rasen vor einem blauen Ferienhaus

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