Wer an unseren Stränden entlangspaziert, kann mit etwas Glück einen Seehund beobachten. Besonders in den Sommermonaten, wenn die Seehunde ihren Nachwuchs bekommen, lassen sich manchmal auch kleine Heuler entdecken.
Als Heuler bezeichnet man junge Seehunde bis etwa zur dritten Lebenswoche, deren Mutter nicht mehr zum Säugen an den Strand zurückkehrt.
Die Jungtiere stoßen klagende Laute aus, um Kontakt zu ihrer Mutter aufzunehmen – daher der Name „Heuler“.
Der Umstand, dass Muttertier und Junges getrennt werden, passiert auf natürliche Weise durch einen Sturm, Krankheit oder den Tod der Mutter.
Aber leider tragen auch wir Menschen dazu bei. Gerade an stark besuchten Stränden treten Spaziergänger häufig viel zu nah an die jungen Seehunde heran, um mit Handy oder Kamera diese einmalige Urlaubserinnerung festzuhalten – zum Nachteil der Tiere.
Auch Hunde von Spaziergängern stellen ein Problem dar, wenn die Leinenpflicht nicht eingehalten wird oder sie unkontrolliert an langen Schleppleinen laufen. Die meisten Hunde kennen Seehunde nicht und können die Situation nicht einschätzen.
Seit rund zehn Jahren schrumpft die Seehundpopulation. Zwar werden viele Jungtiere geboren, doch nicht alle erreichen das Erwachsenenalter. Störungen durch Menschen gelten dabei als Hauptgrund für verwaiste Heuler.
Seehunde reagieren äußerst empfindlich auf Menschen, die in ihren vermeintlich sicheren Lebensraum eindringen.
Muttertiere, die ihre Jungen am Strand lassen, kommen durch die Störungen nicht mehr zurück ans Land, um ihren Nachwuchs zu säugen. Dies hat für die Jungtiere fatale Folgen: Durch die Störung wird die ohnehin begrenzte Säugezeit verkürzt. Je häufiger die Tiere gestört werden, umso größer ist die Gefahr einer lebensgefährlichen Unterernährung.
Jedoch ist nicht jedes Jungtier am Strand ein Heuler. Seehunde und Kegelrobben verbringen den Großteil ihres Lebens im Wasser, kommen jedoch regelmäßig an Land, um sich zu erholen. Dabei nutzen sie nicht nur Sandbänke, sondern gelegentlich auch Strände und andere Küstenabschnitte.
Bei den Kegelrobben, wo die Jungtiere im Winter geboren werden, gibt es deutlich weniger Heuler. Hier lässt die Mutter den Nachwuchs regelmäßig alleine am Strand, während sie auf Nahrungssuche ist.
Wenn Sie einen Heuler am Strand entdecken, gilt folgendes:
Einen Abstand von mindestens 300 Metern zum Tier einhalten und nicht den Weg zum Wasser versperren.
Ruhig verhalten und das Tier nicht verängstigen.
Den Seehund auf keinen Fall anfassen oder gar streicheln. Seehunde sind Raubtiere. Auch wenn sie süß und tuffig aussehen, können sie heftig zubeißen und sich blitzschnell bewegen.
Hunde an die kurze Leine nehmen und vom Seehund fernhalten.
Die Seehundstation Friedrichskoog anrufen (Telefon 04854/1372). Diese schicken einen zuständigen Seehundjäger, der die Situation einschätzen kann und ggf. das Tier mitnimmt und direkt zur Seehundstation bringt.
Mit der neuen „Robben-App“ können Seehunde und gestrandete Wale inklusive Standort direkt gemeldet werden. Der zuständige Seehundjäger wird sofort per Handy informiert.
Auch wenn der Begriff „Seehundjäger“ zunächst erschreckend klingt, übernehmen sie heute ganz andere Aufgaben. Sie sind unter anderem für die Bergung von Heulern und Kleinwalen sowie für die Beobachtung und Dokumentation dieser Funde zuständig.
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