Wissenswertes, Kultur, Ferienunterkünfte

Zeitreise: Die Lodge am Oxenweg in Husum

Matthis

In einer kleinen Serie stellen wir Ihnen besondere Unterkünfte mit einer interessanten Historie vor, die Sie heute als Urlaubsdomizil buchen können.

Die „Lodge am Oxenweg“ ist heute eine schöne Ferienunterkunft in der Husumer Innenstadt mit fünf Zimmern und Platz für bis zu 14 Personen, die Sie sich hier anschauen können. Aber in diesem Beitrag soll es vielmehr um die spannende Geschichte gehen, die dieses Haus zu erzählen hat. Denn zur Zeit des Husumer Viehmarktes befand sich hier einer der vielen Gasthöfe in der Husumer Neustadt: Der Gaststall von Hermann Loy.

Husum war schon seit dem Mittelalter ein bedeutender Umschlagplatz für Vieh, denn die Stadt lag in zentraler Lage am sogenannten Ochsenweg.
In der Zeit vom 16. bis zum 18. Jahrhundert war der Ochsenweg ein über 400 km langer Landweg von Viborg in Dänemark nach Wedel in Schleswig-Holstein, welcher für den Viehtrieb und den Fernhandel mit Ochsen genutzt wurde und so seinen Namen erhielt.
Der Handel mit Vieh war lange Zeit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Europa und so wurde 1887 auch in Husum am Ende des Straßenzugs Neustadt mit dem Bau eines modernen Viehmarkt-Geländes begonnen.

Seit 1970 befindet sich an dieser Stelle das Kreishaus des Kreises Nordfriesland und auch unser Husumer Servicebüro befindet sich heute in dieser Straße.

Aber springen wir in der Zeit zurück. Mit dem Ausbau von Verkehrswegen und einer Eisenbahntrasse nach Norden und Süden entstanden damals ideale Absatzbedingungen in der Region.
Der Husumer Viehmarkt öffnete 1888 erstmals seine Pforten und bot Platz für Tausende Rinder und Schafe. Später sollte er zu einem der größten Viehmärkte in Nordeuropa werden.
Mehr als 10.000 Ochsen kamen zum Markttag nach Husum. In der Blütezeit des Viehmarktes fanden sich in der Neustadt mehr als 30 Gasthäuser, in denen die Marktbesucher übernachten und ihre Tiere unterbringen konnten.
Diese Gasthöfe bzw. Gastställe hatten also alle auch Ställe im Hof, von denen bei unserer „Lodge am Oxenweg" auch noch einige Relikte zu finden sind. In die Wand eingelassene Tränken für das Vieh und Wandhaken zur Fixierung der Tiere sind noch heute erhalten.

Am Mittwochabend begann das Markttreiben und Viehhändler, Landwirte, Schlachter und Marktleiter fanden sich auf dem Viehmarktgelände ein. An den Begrenzungszäunen der Gehege waren zahlreiche Schilder angebracht, auf denen die umliegenden Gasthäuser mit Ihrer Adresse und Telefonnummer auf Ihren Gaststall aufmerksam machten. So auch der Gaststall von Hermann Loy, wie auf dem Titelbild dieses Beitrags zu sehen ist.

Bezahlt wurde auf dem Markt bar und ein Kauf wurde durch dreimaliges Einschlagen besiegelt. Verhandeln war dann nicht mehr möglich. Die Händler waren an ihren weißen Kitteln zu erkennen.

In den 1950er-Jahren hatte Husum auch noch 32 Schlachter, die sich natürlich die besten Rinder für ihre eigenen Schlachthöfe sicherten. Nach vollbrachter Arbeit fanden sich die Marktteilnehmer in den Gasthöfen ein, um auf erfolgreiche Geschäftsabschlüsse anzustoßen.

Erzählungen zufolge roch es hier neben Tabakqualm auch immer etwas nach Kuh, obwohl sich selten ein Tier in die Gasträume verirrte. Neben dem Husumer Bier, das bis 1959 in Husum gebraut wurde, tranken die Besucher Kümmel und Teepunsch, und an den Markttagen gab es auch warme Küche.
Bis in die 1960er lebte hier eine ganze Region vom Marktgeschehen und die Neustadt war bis zu diesem Zeitpunkt die Straße des Viehhandels. In den folgenden Jahren war der Handel mit Lebendvieh jedoch rückläufig und Viehhändler, Landwirte, Gastwirte und Schlachter mussten sich aufgrund des rentableren Kühltransports auf eine Wende im Handel einstellen.
Der Handel und Transport von lebenden Tieren wurde langsam verdrängt und der Husumer Schlachthof 1963 abgebaut.

Im November 1970 läutete die Glocke des Husumer Viehmarktes zum letzten Mal und verkündete das Ende eines der größten Viehmärkte Europas und auch die Gasthäuser verschwanden bis auf wenige Ausnahmen allmählich aus dem Straßenbild der Husumer Neustadt. Fast jedes Haus war zu dieser Zeit eine Gaststätte oder ein Bauernhof mit Ställen in den Hinterhöfen. Reste dieser Strukturen sind auch heute noch zu finden, wie in unserem Beispiel. Inzwischen ist die obere Neustadt sowohl ein Kneipenviertel als auch ein Wohnviertel mit einem sehr durchmischten Straßenbild. Hier befindet sich auch das Husumer Kino und natürlich auch das schöne Ferienhaus, die „Lodge am Oxenweg“.